Da kommt einem die Obamania in Deutschland ja fast noch sympathisch vor: Die Russlandkennerin Anne Applebaum verweist auf einen Artikel in der (unabhängigen, aber boulevard-nationalistischen) Prawda, in dem hinter der Obama-Wahl eine große Verschwörung herbeifantasiert wird:
It would be wrong to think that Obama will mark the beginning of the new era in US politics. Obama became the president because one needed a scapegoat during hard times of the crisis and the new economic model, which the crisis may eventually trigger. The Republicans simply decided to move over to make Obama become an intermediate figure. John McCain was too conservative to win. If Obama does not manage to extricate the nation from the crisis in two or three years, the Reps will unveil their real candidate, and Obama’s presidency will finish earlier than expected.
Es wäre falsch zu denken, dass Obama den Beginn einer neuen Ära amerikanischer Politik kennzeichnet. Obama wurde Präsident, weil man einen Sündenbock gebraucht hat in schweren Zeiten der Finanzkrise und der neuen Wirtschaftsordnung, zu der sie führen könnte. Die Republikaner entschieden sich für Obama lediglich als Zwischenlösung. John McCain war zu konservativ um zu gewinnen. Wenn Obama es nicht schafft, die Nation innerhalb von zwei, drei Jahren aus der Krise zu führen, werden die Reps ihren tatsächlichen Kandidaten präsentieren und Obamas Präsidentschaft wäre früher zu Ende als erwartet.
Das ist Kalter Krieg vom Feinsten. Natürlich ist die Prawda ein extremes Beispiel. Die englischsprachige Ausgabe kitzelt ganz grundsätzlich am Kotzreflex mit ihrem ganz offenen Anti-Amerikanismus und – natürlich – ebenso starken Antisemitismus.
Spätestens mit einer etwas intensiveren Begutachtung des staatlich finanzierten (!) Auslandssenders Russia Today, wird aber eine Konstante russischer Berichterstattung deutlich. RT agiert subtiler, etwas mehr wie Al Jazeera, aber immer mit streng anti-amerikanischem Unterton. Ein Beispiel möge dieses Interview sein, in welchem dem Ex-US-Soldaten und „Friedensaktivisten“ Adam Kokesh, ein Forum von immerhin sechseinhalb Minuten gewährt wird, unterfüttert mit Bildern von militärischem Aufmarsch auf der einen und Washington D.C. Dinner Partys auf der anderen Seite.
Die russischen Medien, Russia Today an der Spitze, suhlen sich im Amerikahass und sind dabei wohl nur die Vorboten des sicherlich bald wieder aufkeimenden, chauvinistischen Skeptizismus auch der westlichen Medien. Es ist der Lauf der Welt: wer vom eigenen Versagen oder wahlweise der eigenen aggressiven Politik ablenken oder sie legitimieren möchte, sucht sich schon seine Juden. In Zeiten der Globalisierung müssen die nicht mal im eigenen Land sitzen: Amerika bietet sich an.







Interessantes Fundstück! Danke!