Nicht immer nur Finnland: Schweden hat Anfang der 90er Jahre einen entscheidenden Schritt zu mehr Freiheit in der Bildung getan, der bis heute in Deutschland recht unbeachtet geblieben ist. Die große Schulreform fand 1992 statt, unter dem kurzen Zwischenspiel des konservativen Premierministers Carl Bildt. Doch auch die Sozialdemokraten wollen heute an der Friskola, der „Freien Schule“, nicht mehr rütteln. Oder sind zumindest am Versuch gescheitert.
Das Geheimnis ist das Voucher System. In Schweden dürfen sich Schulen unter freier Trägerschaft gründen, mit konfessioneller oder säkularer Ausrichtung, speziellen Schwerpunkten oder pädagogischen Konzepten. Per Gesetz wird garantiert, dass sie die vorgegebenen Qualitätskriterien einhalten und der für die Schulabschlüsse geforderte Lernstoff auch mindestens vermittelt wird. Der Clou: Im Gegensatz zu deutschen Privatschulen dürfen die Friskola keine Beiträge von ihren Schülern erheben. Aus ökonomischen Gründen kann daher kein Schüler abgelehnt werden – die Eltern erhalten Bildungsgutscheine und dürfen frei wählen, ob sie ihre Kinder auf eine private oder auf eine staatliche Schule schicken wollen.
Auch darf es keine sonstige Diskriminierung wegen Herkunft oder Geschlecht geben. Für Schüler mit Behinderungen kann die Friskola zusätzliche Mittel vom lokalen Stadtrat einfordern. Wenn dieser sie ablehnt, muss er den betroffenen Schüler auf einer seiner eigenen Schulen unterbringen. Mit dem entsprechenden Druck natürlich, dann auch dort aus Gerechtigkeitsgründen für eine ordentliche Ausstattung zu sorgen.
Nicht nur die Politik, auch die doch eigentlich so staatsdoktrinär gestimmten Schweden befürworten das Modell. Umfragen zufolge freuen sich 85 Prozent über die neuen Möglichkeiten. Seit der Schulreform ist der Anteil von Schülern an freien Schulen immens angestiegen, in der Primarstufe von 0,9 auf 9 Prozent, in der Sekundarstufe gar von 1,5 auf 17 Prozent.
Das System ist nicht perfekt – ein vollständige liberalisiertes Schulsystem mit freiem Wettbewerb wäre besser. Doch ist die Friskola ein erheblicher Schritt in die richtige Richtung; aus deutscher Sicht.
Es wäre schön, wenn sich bei all den Systemdiskussionen hierzulande wenigstens ein Bundesland mal trauen würde, den großen Schritt zu wagen: Freie Schulen für alle. Gern mit Gutscheinen und Qualitätsaufsicht, aber vor allem mit der Initative außerhalb von Bildungsministerien und sonstiger Bürokratie. Wozu haben wir denn ein föderales System?
Quellen (auch zur vertiefenden Information geeignet): Swedish Association of Independent Schools (engl.), sweden.se: In Schweden florieren die freien Schulen (dt.), The Fraser Institute: The Case For School Choice: Sweden (engl.)







[...] Januar 2009 von Wullenwever Der Grund für diesen Beitrag über das schwedische Schulsystem war übrigens der Reisebericht von Daniel Fallenstein, dessen [...]
[...] Übrigens: dass das im Positionspapier erwähnte, urprünglich von Milton Friedmann entwickelte, Konzept der Bildungsgutscheine als Mittel, Marktprozesse in der Bildung zu etablieren, brandaktuell und praktikabel ist, noch dazu in einer Gegend Europas wo zumindest ich das nun überhaupt nicht erwartet hätte – dazu mehr beim Kollegen von Letter of Intent: Friskola heisst freie Schule auf … [...]
[...] Im sozialistischen(!) Schweden gibt es übrigens bereits längst das Friedmansche Gutscheinmodell. [...]