Posted by: Wullenwever | 22. März 2008

Die Wiederauferstehung eines ganz Großen

Schaltet ganzseitige Anzeigen!

Erhebt Euch zum Lobgesang!

Verkündet im Internet von seinen Thesen!

Kauft sein Buch!

Führt Interviews!

Lasst Ihn Essays schreiben!

Denn siehe, Deutschland hat wieder einen Messias: Jürgen Todenhöfer.

Ruhig war es geworden um “Ich denke Deutsch”-Autor Jürgen “Hodentöter” (H.Wehner). 1972-1990 bereicherte der Jurist den Deutschen Bundestag. Schon damals zeigte er durch spektakuläre Reisen nach Chile und Afghanistan völlig erfolglos auf das Leid in der Welt. Nach seinem Ausstieg aus der Politik musste er sich in den letzten Jahren damit begnügen, als Stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Alpha-Verlages Hubert Burda Media, Offenburg, aus dem Hintergrund für die richtige Stimmung zu sorgen. Das Flaggschiff FOCUS wies denn auch gerne mal auf die Aggressionen der USA im Irak hin. Oder andere amerikanische Widerlichkeiten. Wie dem auch sei: Es reicht natürlich nicht aus, so altruistisch die Kulissen zu verschieben, wenn man sich selbst gerne in den Scheinwerfern sonnt. Und in die eigene Stimme verliebt ist.

Was macht man also, wenn man in Deutschland die Massen begeistern und in das Morgenmagazin eingeladen werden möchte? Man prangert die globalen Aggressionen der USA an. Man verteidigt die armen irakischen “Zivilisten”, die unter den Bomben, Scharfschützen und Foltermethoden aus Washington leiden. Und man geriert sich dabei als “Querdenker”, als einer, der gegen den Strom schwimmt. Einem Strom von ungefähr 9 Prozent Unterstützern des Irak-Krieges und der USA, aber immerhin ein Strom. Ein Bach. Ein gefährlicher Bach!

Und, super: Man kritisiert nicht nur, man startet eine Kampagne. Denn was bietet sich mehr an, als in einem geschichtlichen Überblick das Abendland, den “Westen” insgesamt, als Kontinuum von Aggression und Gewalt darzustellen? Vor allem, weil diese kleinen Einwürfe von früher ja nie wirklich was gebracht haben. So aber schafft man Publicity, man schafft eine “kritische Öffentlichkeit”, das gibt einem auch so was Menschliches.

Tödi macht das alles. Er hat eine Website gestartet, in Deutsch und Englisch (denn natürlich fürchtet er auch die direkte Konfrontation mit den Falken nicht! Und sobald die Amis mit den Umlauten in seinem Namen umzugehen verstehen, kommt er auch dort bei den Großen unter.) Denn er hat zehn Thesen entwickelt, die ebendiesen historischen Unterschied zwischen friedfertigem Islam und blutrünstigem Westen (inklusive Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Bomber-Harris hier, Holocaust da) beschreiben sollen. Sein Buch ist der Aufhänger: Eine herzzerreißende Geschichte von einem jungen Iraker, dessen Familie nacheinander abgeschlachtet wird, der sich bis zum Ende wehrt, in den berechtigten Widerstand gegen die Besatzer einzugreifen, am Ende aber durch diese Umstände dazu gezwungen wird.

Eins muss man ihm lassen: Todenhöfer ist ein Meister darin, die vorhandenen Fakten und Analysen, “Studien” von “unabhängigen Instituten” und Stimmungen unter eine ganz neue Weltsicht zu subsumieren. Er muss dafür eine Weile gebraucht haben. Doch am Ende ist alles, was man an Objektivität beweisen muss, ja ohnehin nur die Ablehnung der “unislamischen” Al-Quaida, die Verurteilung von 9-11, und dann: aber…

Wie wäre es denn mal mit einem Kurzaufenthalt in Sderot, Tödi? Warum reden wir denn nicht zur Abwechslung mal mit den unter Saddam unterdrückten Schiiten, anstatt mit den mittlerweile gleichprivilegierten Ex-Baaths? In letzter Zeit mal den äußerst friedfertigen Antisemitismus im saudischen oder palästinensischen TV gesehen? Und wenn Du, Todenhöfer, tatsächlich die Verantwortung für die Shoah dem “Westen” zuordnest: Fragst Du dann wenigstens, ob den Leichen des Holocaust Dein Urin auch schmeckt? Selten las man Ekligeres, als derartige Vergleiche.

Todenhöfer: Das ist Demagogie von Heute. Wenn er bei Kerner sitzt, wenn er all diese Reden schwingt, wenn dabei die “No Angels” zustimmend nicken und das Studiopublikum anerkennend Applaus spendiert: Dann ist Todenhöfer an der Spitze seines Erfolges angelangt. Tausende werden sein Buch kaufen. Studiogagen und Rednerhonorare liefern hochstellige Summen. Er muss dafür noch nicht einmal selbst in den “legitimen Widerstand” gegen die USA eingreifen. Denn er ist ein Anhänger von Martin Luther King und Gandhi, also des gewaltlosen Widerstands. Aber verstehen, ja: Verstehen kann er das Ermorden der jungen Amerikanerinnen und Amerikaner schon.

Mehr hier, hier, hier und hier. Und Update, der Vollständigkeit halber: auch hier und hier.

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Responses

[...] Letter of Intent zum neuen Buch von Jürgen Todenhöfer und der dazugehörigen Werbekampagne: Das ist Demagogie von Heute. Wenn er bei Kerner sitzt, wenn er all diese Reden schwingt, wenn dabei die “No Angels” zustimmend nicken und das Studiopublikum anerkennend Applaus spendiert: Dann ist Todenhöfer an der Spitze seines Erfolges angelangt. Tausende werden sein Buch kaufen. Studiogagen und Rednerhonorare liefern hochstellige Summen. Er muss dafür noch nicht einmal selbst in den “legitimen Widerstand” gegen die USA eingreifen. Denn er ist ein Anhänger von Martin Luther King und Gandhi, also des gewaltlosen Widerstands. Aber verstehen, ja: Verstehen kann er das Ermorden der jungen Amerikanerinnen und Amerikaner schon. [...]

Vorletzten Freitag im Kino in Hamburg wurde auch noch Werbung für ihn gemacht. Kurz Bill O´Reilly und eine FPÖ-Politikerin als Repräsentanten sogenannter Islamophobie zitiert, und dann: “Wenn sie gegen solche Vorurteile sind, Todenhöfer lesen.”
Würg!

[...] der unfreiwilligen Hommage an längst vergangene Zeiten durch den ehemaligen entwicklungs- und abrüstungspolitischen Sprecher [...]

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