Posted by: Wullenwever | 11. März 2008

Die Schöne und das Biest

Dana Perino ist - der Superlativ muss sein - ganz sicher die attraktivste Präsidentensprecherin in der ganzen Welt. Das geht gar nicht anders. Dass ihre Fähigkeiten denn aber leider auch gleich auf ihr Äußeres reduziert werden, kann man an den Kommentaren eines jeden Videos von den White House Pressekonferenzen auf YouTube ablesen. Auch ganz beeindruckend, wie sexistisch die sonst so fortschrittlichen Democrats auf einmal sein können, wenn es um eine Republikanerin geht.

Perino (36) ist seit August 2007 Sprecherin des Weißen Hauses, also seitdem ihr Vorgänger Tony Snow wegen einer Darmkrebserkrankung den Posten verlassen hatte. Sie ist damit unter George W. Bush die vierte Person auf dem Posten und erst die zweite Frau überhaupt. (Der Posten des Regierungssprechers der Bundesrepublik Deutschland ist dagegen übrigens noch überhaupt nicht mit einer Frau besetzt worden.)

Die ersten Tage ihrer Amtszeit wurden medial vor allem mit der netten Geschichte begrüßt, Perino habe ihrem Hund Henry beigebracht, einen Sprung kopfüber sich selbst, einen Flick-Flack (engl. Flip-Flop) zu machen, wenn sie ihn fragt: “Was denkst Du über John Kerry?”. Flip-Flop-Politiker sind in den USA solche, die ihre Meinungen häufig verändern; ein Vorwurf, der dem Demokraten John Kerry bei seiner Präsidentschaftskandidatur bekanntlich häufig gemacht wurde.

Mit ebendiesem Hund hat denn auch die zweite Story in Bezug auf Perino zu tun: Ihr britischer, 18 Jahre älterer Ehemann kam nämlich mit dem Gesetz in Konflikt, als er ihn in einem Park in Washington D.C. ohne Leine ausführen wollte. Da sind die Amis ungefähr so nachlässig wie mit Saddam: Er bekam einen Strafzettel über 25$ und fragte den Polizisten ob der Geringfügigkeit des Vergehens, warum dieser denn nicht stattdessen “ein paar Eichhörnchen jagen” gehe. Weil er ein paar Tage später zu allem Überfluss dann noch säumig wurde, steckten ihn die Cops ins Gefängnis - einen ganzen Tag lang. So was freut die Hauptstadtglossen.

Die netteste Geschichte ist aber ohne Zweifel eine selbstproduzierte: Als Perino nämlich in der öffentlich-rechtlichen (ja ja: so was gibt’s auch in USA) Radiosendung “Wait, Wait… Don’t Tell Me” erklärte, sie habe bei dieser Pressekonferenz Panik bekommen wegen des Vergleichs des europäischen Raketenabwehrschilds zur Kuba-Krise - weil sie von der noch nie gehört hatte. Und als sie dann zu Hause ihren Mann gefragt hatte, ob die Kuba-Krise “die Sache mit der Schweinebucht” war, antwortete der: “Oh, Dana…”

Dass sie überhaupt davon erzählt hat, war sicher nicht sehr klug, denn sie hat ihren Gegnern (prinzipiell sind alle Bush-Gegner auch die ihren, und das sind bekanntermaßen nicht wenige) ein immer wiederkehrendes Argument geliefert. Aber es macht sie sympatisch: Man muss ja schließlich nicht alles wissen. Vielleicht war sie ja auch lieber auf einer Party unterwegs, als die Dokus dazu im Fernsehen liefen.

Dies aber zunächst zu Dana Perino. Nun zu einer anderen Frau:

Perino direkt gegenüber sitzt in den Press Briefings nämlich regelmäßig die alte Dame des amerikanischen Journalismus, Helen Thomas. Mit 88 Jahren berichtet sie noch immer aus dem Weißen Haus, als King Features Kolumnistin. Thomas war ohne jede Frage eine Pionierin der amerikanischen Medien: Erste Frau hier, erste Frau da. Traditionell war ihr bis zum Jahr 2000 die erste Frage vorbehalten - dann schied sie aber aus der Nachrichtenagentur United Press aus, für die sie Jahrzehnte gearbeitet hatte. Wer nicht mehr zu den wires, den großen Nachrichtenagenturen, gehört, muss nach hinten rücken. Dies gilt zumindest für die Pressekonferenzen, die der Präsident persönlich abhält. Bei den Briefings durch die Sprecher sitzt sie weiterhin in der ersten Reihe - und nervt. Denn Thomas ist eine Linke, aus Überzeugung. Offen erklärte sie ihre Abneigung gegen Bush - er sei der schlechteste Präsident der amerikanischen Geschichte. Als Bush zudem noch den Fehler beging, sie 2006 dranzunehmen, “fragte” sie:

I’d like to ask you, Mr. President, your decision to invade Iraq has caused the deaths of thousands of Americans and Iraqis, wounds of Americans and Iraqis for a lifetime. Every reason given, publicly at least, has turned out not to be true. My question is: Why did you really want to go to war? From the moment you stepped into the White House, from your Cabinet, your Cabinet officers, intelligence people, and so forth: What was your real reason? You have said it wasn’t oil, quest for oil, it hasn’t been Israel, or anything else. What was it?

Das war keine Frage, sondern eine Rede. Ähnlich wie ihre Feststellung gegenüber Perinos Vor-Vorgänger Ari Fleischer, die USA hätten den “Beschuss auf Libanon durch die Israelis stoppen” müssen, stattdessen hätte man sich für “eine Kollektivbestrafung der Palästinenser” entschieden. Fleischer dankte ihr für die Darstellung der “Sicht der Hisbollah”.

Im November letzten Jahres kam es dann zur ersten intensiveren Begegnung mit Dana Perino, in der Thomas permanent dazwischen spricht und Perinos Antworten stört. Zudem ist jede Frage ein Statement, was Perino auch souverän bemerkt und deshalb - zumindest aus dieser Sicht - denn auch klar ihren Wortbeitrag gegen die 52 Jahre ältere Journalistin gewinnt. Ein wenig gereizter als sonst üblich, wie bemerkt werden darf:

 

Warum ich das alles geschrieben habe? Um diese drei Feststellungen zu machen:

1. Mich nervt die ewige Behauptung, Frauen würden “eine andere Politik” machen als Männer. Dies ist ebenso herabwürdigend für Frauen, wie es unwahr ist. Gerade bei der Auseinandersetzung zwischen Perino und Thomas sieht man, dass die beiden unterschiedlicher kaum sein könnten. Frauen nehmen verschiedene Positionen zu verschiedenen Themen ein, und sie reagieren mit unterschiedlichem Temperament. Andere Vermutungen sind die Sehnsucht nach Einheitsbrei.

2. Was für ein Land doch immer noch die USA sind, in denen dieses alles möglich ist: Die junge, konservative Perino gegen die alte, linke Thomas - zwei Pionierinnen in der demokratischen Auseinandersetzung über die Zukunft ihres Landes. Nichts zu sehen von der Gleichschaltung amerikanischer Medien, keine Spur von einseitiger Berichterstattung.

3. Es sind Stories, die das ganze Bild ergeben, und von denen doch in den deutschen Medien so gut wie nie etwas berichtet wird. Wenn ab und zu auch mal der Mensch hinter den kurzen US-Reports in Tagesschau und SPON näher erklärt würde, man könnte doch auch mal den Menschen hinter dem Amerikaner an sich erblicken. Und das wäre ganz sicher nicht verkehrt.

Übrigens: Perino ist am Donnerstag zu Gast in der Daily Show mit Jon Stewart

Tags: , , , , ,

Responses

[...] of Intent: Die Schöne und Biest Was ist so toll an Bushs Pressesprecherin Dana Perino? Wullenwever [...]

Leave a response

Your response:

Categories