Verfasst von: Wullenwever | 24. Januar 2008

China: Ab zu Mutti, alle.

Wenn ich mal meinen Vorurteilen freien Lauf lasse: Ganz im Gegensatz zu Thais (die freundlichsten Menschen der Welt) oder Japanern (jede Geste eine Jahrtausend-Tradition) habe ich die Chinesen immer als unhöfliche, ihren Körpergeräuschen offen nachgebende, oft auch proletenhaft und krämerisch agierende Menschen kennengelernt. Mir ist wohl bewusst, dass dieses Urteil aus meiner kulturellen Perspektive höchst nutzlos erscheint (Urteile über andere Kulturen ohne tiefergehende Empirik sind ohnehin immer nutzlos und ungerecht), aber der Eindruck erklärt zumindest, warum bisher meine Motivation, sich mit dem Riesen China zu befassen, wegen des fehlenden Spaßfaktors beschränkt blieb.

Was an China aber jedesmal auch aus der Ferne fasziniert, sind die Zahlen und Dimensionen (via):

China expects a record 2.15 billion bus travellers across the country over the upcoming 40-day lunar New Year period as people flood home for the traditional Spring Festival, the country’s transport authorities said.

2,15 Milliarden Menschen! Unterwegs, zu einem Anlass. Wahnsinn. Und so wie Anfang des 20. Jahrhunderts die Menschen aus dem ländlichen Russland fassungslos vor den Wolkenkratzern von New York standen oder auch im 1. Jahrhundert n.Chr. der Händler aus der sardinischen Provinz vor den Toren Roms, so erschlägt einen auch der Eindruck einer solchen Zahl doch völlig.

Auch wenn man versucht, es nochmal in anderen Worten zu fassen: Ein Drittel der Weltbevölkerung verlässt den Arbeitsplatz, die Wohnung, und macht sich auf zur Familie. Da fällt es wie so oft schwer, wenn nicht ohnehin unmöglich, diese Massen an Chinesen als individuelle Geschöpfe einzuordnen statt einer grauen, anonymen Masse mit Turnschuhen und schwarzen Haaren.

Antworten

Bedrohlicherweise einer hochintelligenten, roten Masse.

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