Verfasst von: Wullenwever | 23. Januar 2008

Der Auslands-Oscar und seine Fans

Traditionell findet im Internet die Diskussion über die Vergabe des “Auslands-Oscars” besonders intensiv statt. Das hat nicht zwangsläufig patriotische Gründe, so dass jeder sich nun besonders stark für den Mitbürger-Regisseur einsetzen müsste; es liegt viel mehr daran, dass diese Kategorie regelmäßig besonders politische Filme zum Thema hat. Das gilt für Das Leben ist schön (Oscar 1999) ebenso wie für den letztjährigen, deutschen Preisträger, Das Leben der Anderen.

So setzt sich dieses Jahr zum Beispiel mit dem ehemaligen estnischen Ministerpräsidenten Mart Laar ein besonders prominenter Filmfreund per Weblog für seinen Favoriten ein. Und da Laar ohnehin ganz gerne mal darauf hinweist, dass er die Russen immer noch für die alten Propagandaschleudern von früher hält, möchte er, dass der polnische Film Katyn den Oscar erhält:

Among foreign movies one of the most interesting is A.Wajda’s “Katõn” which describes the massacre of Polish officers in 1940-1941 in Katõn by NKVD. Current Russia is not recognizing the crimes committed by the Stalin regime and attacking furiously the Wajda’s movie. At the same time the evidence of Soviet crimes was presented soon by President Jeltsin. Unfortunately the Katõn massacre is not so much known in Western countries.

Doch, doch. Hier schon. Guido Knopp erwähnt es in jeder dritten Folge.

Auf der anderen Seite setzt sich Die Jüdische (knapp und zurückhaltend) für den israelischen Film “Beaufort” ein und weist ebenso vorwurfsvoll wie zu Recht darauf hin, dass er, trotzdem er jetzt für den Oscar und zuvor erfolgreich für andere Wettbewerbe nominiert wurde, im deutschsprachigen Raum keinen Verleiher findet:

Der Film des Regisseurs Joseph Cedar nach einem Bestseller von Ron Leshem gewann im Vorjahr den Silbernen Bären bei der Berlinale. Der Streifen stellt den Diskurs um den Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon im Jahr 2000 anhand einer Gruppe von Soldaten in der Festung Beaufort kritisch dar. (…) Interessanterweise fand “Beaufort”, der unter den 5 Filmen des Jahres für den Oscar Berücksichtigung fand, keinen Verleiher im deutschspachigen Raum, wo die Jahre zuvor Streifen wie “Paradise Now” abgefeiert wurden. Dies ist jedoch eine andere Geschichte, die hier noch zu erzählen sein wird.

Nun, das tue ich mal kurz, in einem Satz: Man trägt im Moment Pali-Tücher in den Kinos des deutschsprachigen Raums und will dabei nicht von einem Film unterbrochen werden, in dem Israelis als denkende und fühlende Menschen gezeigt werden. So einfach ist das.

Ich kenne die Filme nicht, aber, as I said: Die Politik entscheidet. Und da kann ich beides unterschreiben.

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