Verfasst von: Wullenwever | 12. Januar 2008

Einwurf: Museen

Hier und da trifft man auf Leute, die Museen für unnötig und langweilig halten, insbesondere solche, in denen ohne jede Dynamik Bilder aufgehängt sind, oder Erklärungen, und das dann auch noch von Steuergeld finanziert.

Ich habe alles Verständnis für Menschen, die einen Zugang zu Museen noch nicht gefunden haben. Und Sympathie entwickle ich gegenüber jedem Interesse an einer niedrigen Staatsquote und konsolidierten Haushalten. Doch Museen sind mehr als das Wallhall der Teetrinkerbande, als welche die Besucher dieser Einrichtungen von manchen Pragmatikern im öffentlichen Leben gern gesehen werden.

Nicht umsonst haben die Nazis im besetzten Polen zunächst die Theater und Kultureinrichtungen geschlossen; und eben die Museen, als Hort von Selbstverständnis eines in Widerstand gefährlichen Volkes, als Basis auch von Lehre und Forschung, von dem gefürchteten Wort, das viel gefährlicher sein kann (wahr bleibt das auch für den Nicht-Pazifisten) als jede Waffe.

Und so schreibt denn auch Ruth Klüger in ihrer famosen, bewegenden, ganz und gar klischeelosen Autobiographie über das jüdische Leben unter der Naziherrschaft und in Konzentrations- und Vernichtungslagern weiter leben. Eine Jugend:

(…) ich muss mir erst einreden oder einreden lassen, dass etwas schön ist. Mich lockte die Statik des Gesammelten, die nicht von Umziehen, Herumziehen, Aufbruch und Abbruch bestimmt war. Ein Museum war ein Schwamm, der mich aufsaugt, eine geistige Suppe, die mich minderwertiges Gemüse würzt und gar kocht. (…)

Als ich vor zehn Jahren mit einer schweren Herzkrankheit im Spital in Philadelphia lag, dachte ich eines Nachts: “Wenn ich hier nicht herauskomme, kann ich das Guggenheim-Museum nie wieder sehen.” Und dann, resigniert, “Wenn das der Inbegriff aller Versäumnisse ist!” Als ich die Krankheit überstanden hatte, fuhr ich eilig zu einer Ausstellung deutscher Expressionisten in New York und lief Frank Lloyd Wrights kuriose schneckenförmige Rampe auf und ab, feiernd, daß ich wieder einmal am Leben geblieben war.

Klügers Buch ist umfassend genug, dass es noch an späterer Stelle in diesem Blog beachtet werden muss, zunächst vor allem im Vergleich zu vielen anderen Literaturen über Shoa, Konzentrationslager, Vergeben, Vergessen, und gar Feminismus.

Hier, reduziert: Museen schätzen.

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