Es ist jedes Mal wieder eine Freude, den amerikanischen Wahlkampf zu beobachten. Die Kandidaten zeigen sich als Vertreter der einzigen wirklich demokratisch-erwachsenen Nation dieser Welt. Sie gehen mit Verve in die Auseinandersetzung, nehmen sich selbst aber nicht so wichtig dabei. Das ist gegenüber den Wahlkämpfen in Frankreich oder Deutschland wirklich eine Wohltat.
Nachdem das Kandidatenfeld etwas übersichtlicher geworden ist, an dieser Stelle eine kurze Bewertung der Republican Candidates:
Ron Paul ist offensichtlich der Kandidat des dicken Comicbuchhändlers aus den “Simpsons”. Seine Position gegen die “Weltpolizei USA” (die sich aus vielen ebenso dummen, aus Europa bekannten Vorurteilen speist) beweist, dass es in Amerika weiterhin eine durchaus aktive Strömung für den Isolationismus gibt. Auch George W. Bush ist durch eben diese Position der internationalen Zurückhaltung zu seinem first term gekommen. Pauls Internet-Fangemeinschaft ist ebenso riesig wie nervtötend, und seine Niederlage wird ein Beweis dafür sein, dass man auch in den USA (noch) keine Wahlen mit einem (unbestritten hervorragenden) Internet-Wahlkampf gewinnen kann.
Für Rudy Giuliani spricht, dass er als Bürgermeister von New York eine wahnsinnig erfolgreiche Bilanz vorweisen kann. Und ist es nicht gerade das, eine gute Bilanz in office, was einen erfahrenen Politiker auszeichnen sollte? Seine Positionen sind vielfach gesellschaftlich und wirtschaftlich liberal, gleichzeitig plädiert er dafür, dass die USA ihre Verantwortung in der Welt auch weiterhin wahrnehmen. Dennoch: Er wirkt immer wie ein Mann, dem es bei seinem Bemühen, Präsident der USA zu werden, eher um den bequemen Stuhl im Oval Office und die Aufnahme in die Ahnenreihe geht, als um die tatsächliche Umsetzung seiner Politik.
Fred Thompson ist die Karikatur eines Republikaners, ähnlich Nixon. Und auch wenn dieser i.E. der Geschichte ein guter Präsident mit lediglich grauenhaftem Abgang war, so muss man Thompson vor allem folgendes attestieren: Er wirkt alt, mürrisch, und ebenso reaktionär wie seine politischen Positionen. Dass der erste Google-Suchvorschlag, nachdem man seinen Namen eingegeben hat “Fred Thompson Wife” ist, stellt dann auch seinen wahren Vorteil in der öffentlichen Diskussion dar, seine FLIF.
Mike Huckabee wirkt wie ein total netter Kerl, seine Positionen sind das Problem. Ganz sicher ist es nicht verkehrt, wenn ein Präsident theologisch, moralisch vorgebildet ist, und es gibt durchaus Argumente gegen die Homo-Ehe, aber Huckabee ist als beinahe einziger Kandidat sogar gegen eine zivilrechtliche Partnerschaft von Homosexuellen, und das geht spätestens in der Nach-Caucus Auseinandersetzung zu weit.
Mitt Romney hat sich vor allem durch Attack-Ads gegen John McCain hervorgetan, die diesen einer zu liberalen Position bei der Einwanderung bezichtigen sollen. Auch bei anderen Themen (”Folter”, also Waterboarding, Guantanamo und Verfassungsbann gegen die Zivilrechtliche Partnerschaft von Homosexuellen) steht Romney ganz weit rechtsaußen.
Es ist schade, dass Vietnam-Kriegsheld John McCain in der Entwicklung seiner Umfragenwerte so stark zurückgeworfen wurde. Im wesentlichen sein hohes Alter, aber auch die Art seiner Diskussion (er tut einem immer ein wenig leid), ist wohl dafür verantwortlich, dass die Amerikaner ihm das Amt des Präsidenten nicht zutrauen. Schade: Denn McCain ist der einzige Kandidat, der im besten Sinne einen eigenen Kopf hat. Er scheint sich wenig um die Umfragen zu scheren und spricht mit viel Engagement gegen die Folter, gegen Guantanamo, und gleichzeitig weist er zu Recht darauf hin, dass er den jetzt erfolgreichen Kurs im Irak mit General Petraeus als einziger immer angemahnt hatte. Mein Favorit.
Er wird’s nicht, deshalb hilfsweise: Rudy.
Bemerkenswert (im Wortsinn) die Diskussion der Kandidaten über Illegal Immigration, hier zu sehen. Man muss ja mal festhalten: Die Rechte in den USA diskutiert über illegale Immigration, ein Wort, das in der deutschen Politik überhaupt nicht vorkommt, denn eine echte legale Einwanderung gibt es ja immer noch nicht (bis auf Familiennachzug und ein oder zwei Greencards pro Jahr). Während also die deutsche Politik schon den Familiennachzug begrenzen möchte, also die legale Einwanderung, steht auf der politischen Agenda in den USA die Frage: Was machen wir mit denjenigen, die hier einfach hergekommen sind? Ein ganz anderer Schnack. Gleichzeitig würde niemand der republikanischen Kandidaten sich gegen Einwanderung per se richten, denn sie verstehen es als Grundlage, als Selbstverständnis ihrer Nation. Das ist auch ein wichtiger Aspekt bei der Betrachtung des US-Wahlkampfs: Nicht mit der deutschen Brille sehen.







[...] McCain gegen Hillary Yeah! Gegen meine ursprünglich allzu pessimistische Erwartung hat John McCain es geschafft, sich als einer der Favoriten unter den Republikanern zurück ins [...]
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Die Kandidaten zeigen sich als Vertreter der einzigen wirklich demokratisch-erwachsenen Nation dieser Welt.
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Sollte ich da etwa Ironie übersehen haben ??
Nein. Wieso?