Inszenieren konnten sie ja schon immer gut.
Tags: Dimitri Medwedew, Einführung, Kreml, Medwedew, Moskau, Präsident, Putin, Russland, Vereidigung, Wladimir Putin
Inszenieren konnten sie ja schon immer gut.
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Ich empfehle: Die offiziellen Seiten der Demokratischen Volksrepublik Korea (also Nordkorea).
Wer möchte, kann eine Reise zu den hübschen Masseninszenierungen buchen, aber auch der Aufsatz des “geliebten Führers” Kim Jong-Il mit dem schmissigen Titel
The Songun-Based Revolutionary Line Is a Great Revolutionary Line of Our Era and an Ever-Victorious Banner of Our Revolution
ist einen Blick wert.
Wenn nicht Millionen Menschen verhungern oder gefoltert würden, es wäre wirklich zum Lachen.
Tags: Kim Jong-Il, Kommunismus, Nordkorea
Zum 90. Geburtstag von Isa Vermehren am letzten Sonntag folgende Berichterstattung gezählt: Deutschlandradio, Domradio, Lübecker Nachrichten (4-Spalter, Print), Gespräch auf WDR5.
Ganze Arbeit geleistet, Ihr Feuilletons!
Sehr schade.
Tags: Geburtstag, Isa Vermehren, Medien
Ben Becker hat in diesem Interview auf einen Song hingewiesen, den ich vorher noch gar nicht kannte: “He’s alive” von Dolly Parton. Very moving.
Ich bin vor allem deshalb kein begeisterter Kirchgänger, weil ich jeder emotionalen Gemeinschaftshandlung zunächst kritisch gegenüberstehe. (Trotzdem ich bei manch diesbezüglich herausragenden PR-Aktivitäten durchaus ins Wanken gerate.) Der Schalter steht auf Religion = Privatsache.
Und das macht mich noch um so kritischer gegenüber all diesen mit MG-Schüssen und Judenhass gespickten Allahu-Akbar-Veranstaltungen im arabischen Raum, bei denen religiöse Schlachtrufe dazu genutzt werden jede Vernunft auszuschalten.
Wenn aber in den USA bei einer Entertainment-Veranstaltung (mit einer auch ganz sicher völlig abgewichst-professionell agierenden Dolly Parton) alle in einem völlig positiven Zusammenhang ihren gemeinsamen Glauben zelebrieren, dann lässt das auch hier kein Auge trocken. Wirklich sehenswert (Text unter dem Video):
The gates and doors were barred
And all the windows fastened down
I spent the night in sleeplessness
And rose at every sound
Half in hopeless sorrow
And half in fear the day
Would find the soldiers breaking through
To drag us all away
And just before the sunrise
I heard something at the wall
The gate began to rattle
And a voice began to call
So I hurried to the window
Looked down into the street
Expecting swords and torches
And the sound of soldiers’ feet
But there was no one there but Mary
So I went down to let her in
John stood there beside me
As she told me where she’d been
She said, “They’ve moved Him in the night
And none of us know where!
The stone’s been rolled away
And now His body isn’t there!”
We both ran towards the garden
Then John ran on ahead
We found the stone and empty tomb
Just the way that Mary said
But the winding sheet they wrapped Him in
Was just an empty shell
And how or where they’d taken Him
Was more than I could tell
Oh, something strange had happened there
Just what I did not know
John believed a miracle
But I just turned to go
Circumstance and speculation
Couldn’t lift me very high
‘Cause I’d seen them crucify Him
Then I saw Him die
Back inside the house again
The guilt and anguish came
Everything I’d promised Him
Just added to my shame
When at last it came to choices
I denied I knew His name
And even if He was alive
It wouldn’t be the same
But suddenly the air was filled
With a strange and sweet perfume
Light that came from everywhere
Drove shadows from the room
And Jesus stood before me
With His arms held open wide
And I fell down on my knees
And I just clung to Him and cried
Then He raised me to my feet
And as I looked into His eyes
The love was shining out from Him
Like sunlight from the skies
Guilt and my confusion
Disappeared in sweet release
And every fear I ever had
Just melted into peace
He’s alive! Yes, He’s alive!
Yes, He’s alive and I’m forgiven
Heaven’s gates are open wide
He’s alive! Yes, He’s alive!
Oh, He’s alive and I’m forgiven
Heaven’s gates are open wide
He’s alive! He’s alive!
Hallelujah, He’s alive!
He’s alive and I’m forgiven
Heaven’s gates are open wide
He’s alive! He’s alive! He’s alive!
I believe it, He’s alive!
Sweet Jesus!
Tags: Christentum, Dolly Parton, He's alive, Islam, Kirche, Religion
Der größte Besserwisser aller Zeiten, Michael Moore, würde Barack Obama wählen, wenn er denn wählen könnte. (Er lebt in Michigan, wo die Vorwahlen abgesagt wurden.) Das ist jetzt gar keine Riesen-Überraschung. Interessant ist eigentlich eher, wie er es erklärt.
Denn Moore macht in seinem kleinen Aggro-Text deutlich, wo die Democrats inzwischen angekommen sind - in einem völlig irrationalen Grabenkrieg. Die Obamas (jung, idealistisch, naiv) hassen die Hillarys (klassenkämpferisch, intellektuell, kompromissunfähig). Genau so wenig, wie Moore nach einer Niederlage Obamas HIllary unterstützen würde (erst recht nicht, wenn es die Superdelegates deichseln), so werden auch Clintons Fans wohl eher zu Ralph Nader überlaufen, statt Obama ihre Stimme zu geben.
Yes, Senator Clinton, that’s how you sounded. Like you were nuts. Like you were a bigot stoking the fires of stupidity. How sad that I would ever have to write those words about you. You have devoted your life to good causes and good deeds. And now to throw it all away for an office you can’t win unless you smear the black man so much that the superdelegates cry “Uncle (Tom)” and give it all to you.
But that can’t happen. You cast your die when you voted to start this bloody war. When you did that you were like Moses who lost it for a moment and, because of that, was prohibited from entering the Promised Land.
How sad for a country that wanted to see the first woman elected to the White House. That day will come — but it won’t be you.
Das ist ja in der Tat ganz lustig. Weil es das alte demokratische Klischee von “We can’t govern” unterstreicht und John McCain einen ohnehin völlig gerechtfertigten, aber zudem noch überragenden Sieg einfahren könnte. Gerade wegen solcher Leute wie Spacko “Sicko” Michael Moore.
Tags: Barack Obama, Democrats, Endorsements, Hillary Clinton, Michael Moore, USA 2008
Spiegel Online, 16. April, Autor: Alexander Schwabe, Titel: ”Benedikt liest Bush die Leviten“
Er wurde nie konkret, doch in seiner Rede vor dem Weißen Haus hat Papst Benedikt XVI. dem US-Präsidenten trotzdem deutlich ins Gewissen gesprochen: Demokratie könne nur aufblühen, wenn sich die politischen Führer von der Wahrheit leiten lassen - eine Ohrfeige für Kriegsherr Bush.
Gleich in der Einführung zeigt Alexander Schwabe, wo die Reise hingehen soll: In sein Kleinhirn nämlich, in die imaginären Welten eines Spon-Reporters, der sich entscheiden musste: Stelle ich Bush und Benedikt gleichermaßen an den Pranger, als sturkonservative Reaktionäre, Lügner und Massenmörder, so wie Hagen Rether das immer tut oder ich, Schwabe, (in Spiegel-angepasstem Ton) gerade einen Tag zuvor? Oder kehre ich zurück zu den alten Gassenhauern und zeichne das Bild vom kultivierten, beseelten Europäer gegen den wütenden, dummen Ami?
Letzteres ist es geworden. Schwabe hat zwar “nichts konkretes” gehört, aber es sei dennoch ganz deutlich geworden, sagt er: Eine Ohrfeige für Bush.
Dann mal weiter, zunächst noch ein wenig Atmosphäre schaffen:
Ein Spielmannszug in historischen Kostümen aus der amerikanischen Kolonialzeit marschiert vorüber unter Querflötenklängen und Paukenschlägen. Bush wippt mit seinem linken Fuß im Takt. Der Papst bleibt ruhig. Sein Herz geht erst auf - das verrät seine Miene - als er danach die sphärischen Klänge einer Harfe und dazu eine wunderschöne Frauenstimme geboten bekommt.
Alles klar? Bush wippt zu Militaria, der Deutsche mag es dagegen klassisch. Keine Überraschung.
Bush begrüßt das Oberhaupt von einer Milliarde Katholiken auf der Welt offiziell in Amerika. In seiner Ansprache preist er die Vorzüge seiner Nation, wie er sie sieht,…
- nun, natürlich: Die Einschränkung muss sein, sonst wär’s kein kritischer Journalismus.
…all das Gute, das seine Nation für den Globus tut. Den Irak-Krieg zählt er inzwischen wohl selbst nicht mehr dazu - jedenfalls erwähnt er ihn nicht.
Es wäre schön, wenn in Deutschland auch mal “all das Gute” erwähnt würde, das selbst aus pazifistisch-tugendhafter Sicht die USA und Bush für die Welt leisten. Ein beispielloses Engagement in Afrika zum Beispiel oder der Kampf gegen Malaria (von dem man hierzulande noch gar nichts gehört hat).
Aber der Irak-Krieg wäre natürlich erwähnt worden. Und wahrscheinlich wäre es richtig gewesen, wenn Bush an dieser Stelle gewünscht hätte, Saddam wäre noch im Amt, bedrohte weiterhin Israel, die eigenen schiitischen und kurdischen Minderheiten, führte die eine oder andere Vergasung durch und verbrächte nebenbei noch seine Freizeit mit dem Hinrichten von unliebsamen Oppositionellen. Hauptsache Diktatur.
Tatsächlich aber hat er es nicht getan, sondern von der Aufgabe Amerikas gesprochen,
(to) bring the light of hope to places still mired in the darkness of tyranny and despair.
Tja, und damit war der Irak-Krieg gemeint, Herr Schwabe.
Stattdessen verweist er auf die humanitären US-Hilfen weltweit. Man gebe Hungernden, bekämpfe Krankheiten, mildere Armut. Bush gibt den Barmherzigen Samariter.
Denn Hunger, Krankheit und Armut bekämpfen, das dürfen wir als Samaritertum bezeichnen - da ist es dann gedanklich auch nicht mehr weit zum Pharisäer.
Er weiß, was der Papst hören will und führt aus, was der Papst an Amerika schätzt: “Wir sind eine Nation, die den Glauben öffentlich lebt”, sagt er. Die Vereinigten Staaten seien “fully modern”, vollkommen modern, und zugleich geleitet von “althergebrachter und ewiger Wahrheit”.
Das hört sich natürlich super an, das mit der althergebrachten und ewigen Wahrheit, solange man es zumindest nicht mit der Wahrheit zusammenbringt, von der Bush gesprochen hat - nämlich dass jeder Mensch ein Recht auf Freiheit und Religionsfreiheit habe.
Aber wahrscheinlich wäre es nicht das gewesen, von dem Alexander Schwabe weiß, dass George W. Bush weiß, was der Papst hören will.
Nun geht es aber endlich los mit den Leviten:
Zunächst zitiert Benedikt seinen Vorgänger Johannes Paul II., der die USA fünf Mal besucht hatte: “In einer Welt ohne Wahrheit verliert die Freiheit ihren Grund.” Eine Demokratie ohne Werte könne ihre Seele verlieren, mahnt Benedikt. Diese “prophetischen Worte” seines Vorgängers spiegelten eine Überzeugung George Washingtons wider: “dass Religion und Moral eine ‘unabkömmliche Grundlage’ für politisches Gedeihen sind”.
Zwischenbemerkung: Wie bei Youtube zu hören ist, spricht Benedikt ein grausames, völlig deutschklischeehaftes Englisch. Das musste mal gesagt werden. Bisher war ja offenbar noch keine Ohrfeige dabei.
Benedikt wird in seiner Rede nie direkt - und dennoch ist vollkommen klar, was er sagen will. Immer wenn er einen Satz beginnt mit “Ich bin zuversichtlich, dass…”, “Ich bin überzeugt, dass…”, “Die Kirche vertraut darauf, dass…” - und er tut dies drei Mal in seiner Rede - sagt er diplomatisch und pädagogisch geschickt, was er von Bush erwartet. Gleichzeitig liest er ihm so die Leviten.
Schwabe ist das klar. Uns allen ist das klar. Es muss einfach jedem gerecht denkenden, anständigen Europäer klar sein, dass das so ist. Etwas anderes ist nicht vorstellbar.
Es sind Sätze, die viel Spielraum für Interpretation lassen. Doch wer hören will, der höre: “Ich bin zuversichtlich, dass das amerikanische Volk in seinem religiösen Glauben eine wertvolle Quelle der Einsicht finden wird und Inspiration, einen vernünftigen, verantwortungs- und respektvollen Dialog anzustreben im Bemühen, eine humanere und freiere Gesellschaft zu erbauen.” Offenbar meint der Papst hier einen Mangel festzustellen.
Offenbar meint der Papst hier einen Mangel festzustellen?!? Meine Güte, Schwabe, billiger geht es echt nicht!
“Die Kirche ist überzeugt,… , dass Demokratie nur blühen kann, wenn die politischen Führer sich von der Wahrheit leiten lassen und ihre Weisheit auf moralische Grundsätze aufbauen.” Die verlogene Begründung des Irak-Kriegs - Vizepräsident Dick Cheney und Außenministerin Condoleezza Rice sitzen unter den Ehrengästen in der ersten Reihe - kann damit nicht gemeint sein.
1. Wer von der Wahrheit spricht und Wahrheit anmahnt, spricht über ein universal gültiges Prinzip. 2. Wer jemanden einer Lüge bezichtigt, muss das beweisen können. 3. Wer meinetwegen von Tölpelei oder Dummheiten oder Indiziengläubigkeit spricht, darf das nicht mit Lüge gleichsetzen. 4. Wer ohnehin Bush als Lügner ansieht, wird jeden, der ihm gegenüber das Wort “Wahrheit” ausspricht, als einen ansehen, der Ohrfeigen austeilt. Dies war weder eine Ohrfeige, noch Leviten, noch irgend etwas ähnlich Populäres. Das war höchstens ein kleiner Schwabe, der so was gerne mal machen würde.
Und noch eine Ohrfeige für die Bush-Krieger: Benedikt spricht sich für eine Stärkung der Uno aus, die den von den USA angeführten Irak-Krieg nie abgesegnet hat. Er hoffe, die Bemühungen zu unterstützen, dass die Vereinten Nationen zu einer immer wirkmächtigeren Stimme für die legitimen Bedürfnisse der ganzen Weltbevölkerung werden, sagt der Papst. Die Notwendigkeit weltweiter Solidarität habe keinesfalls abgenommen.
Nun noch einmal zu dem Begriff “Ohrfeige” - der ja in unserer offenbar immer noch hierarchiegläubigen Gesellschaft gedanklich mit der Tat einer Autorität, erzieherischer oder moralischer Art, verbunden ist: Wer die Vereinten Nationen mit all ihrem Antisemitismus, dem dikaturfreundlichen Völkerrecht, der überbordenden Bürokratie und Korruption und nicht zuletzt der Unterlassungsschuld an den Massenmorden in Ruanda und Sudan, tatsächlich als sinnvolle Einrichtung verteidigen möchte, dem ist nicht mehr zu helfen. Und dem ist auch jede Autorität zumindest moralischer Art abzusprechen.
Dass gleichwohl sowohl Benedikt als auch Bush selbst bei allen möglichen Gelegenheiten derartige Allgemeinplätze über die Bedeutung und den Erhalt der Vereinten Nationen aussprechen, bleibt davon unberührt. Und es zeigt, was von des Papstes Worten hier zu halten ist: Nichts.
Dies gilt insbesondere in Bezug auf den Irak-Krieg, der auch gegenüber der öffentlichen Meinung in den USA auf Grundlage einer UN-Resolution geführt wurde, auch wenn der Sicherheitsrat und hier vor allem die Kumpels aus Frankreich und Deutschland ebendiese Resolution nicht umsetzen wollte.
Auch Benedikt würdigt den humanitären Beitrag, den die USA in der Welt leisten - doch umgehend hebt er wieder zu einem Satz an, der als Mahnung an Amerika verstanden werden muss: “Ich bin zuversichtlich, dass dieses Bemühen um die umfassende menschliche Familie sich fortsetzen wird, um auch in der Unterstützung geduldiger Anstrengungen in der internationalen Diplomatie Ausdruck zu finden, damit Konflikte gelöst und Fortschritt erzielt werden können.”
Ohne schuldhaftes Zögern soll hier also der Papst auf die Mahnung zurückgekommen sein, die auch hier wieder als solche verstanden werden muss. Das Bemühen um internationale Diplomatie und Multilateralismus ist von Seiten der USA ja völlig eingestellt worden und auch nicht täglich im Umgang mit Iran, Nordkorea, China, Sudan, Palästina und vielen mehr mit all ihren Erfolgen zu sehen. Was für eine Ohrfeige.
Das war’s. Das waren die Leviten des Herrn Schwabe Benedikt. Da haben wir wieder einmal schön ein paar Minuten verbracht, um uns vom alltäglichen Bush-Hass auf Spiegel Online mitreißen zu lassen.
Der Autor weilt offenbar in Amerika, schließlich berichtet er über den gesamten Papst-Trip. Ich stelle mir vor, wie er in einer amerikanischen Mall einen Kaffee trinkt und dabei die Nase rümpft ob all dieser Unkultur. Es muss ein Bild für die Götter sein.
Tags: Alexander Schwabe, Amerika-Hass, Benedikt, Diplomatie, George W. Bush, Hagen Rether, Irak, Lüge, Leviten, Papst, Papstbesuch, Pharisäer, Rede, Samariten, UN, USA, Vatikan, Völkerrecht, Vereinte Nationen, Wahrheit
Auch weil die 6jährige Schwester als nächstes dran ist - Jemenitin (8 J.) sucht Recht auf Leben:
Der Ehemann der Kleinen ist nicht nur 22 Jahre älter als Nujud, sondern findet sowohl die Heirat mit einer Achtjährigen als auch Prügelstrafen und sexuelle Nötigung der Ehefrau normal. Nujud habe weder einen Grund noch das Recht sich zu beklagen, teilte Tamer der Anwältin von Nujud, Shahta Ali, mit.
Sie verfügt ganz sicher nicht über den höchsten Bekanntheitsgrad in Deutschland, zumindest nicht im protestantischen Norden, obgleich sie von dort kommt – trotzdem ist Isa Vermehren eine der faszinierendsten Persönlichkeiten deutscher Zeitgeschichte. Am 21. April wird sie 90.
1918 in Lübeck geboren und liberal erzogen, wird Vermehren 1933 aufgefordert, ihre Schule vor dem Abitur zu verlassen. Sie hatte sich geweigert, an den Übungen zum „Deutschen Gruß“ teilzunehmen. Mit ihrer Familie zieht sie nach Berlin und überlässt sich dort ihrem musikalischen Talent. Mit energischem Auftreten, ein wenig rotznasigem Gehabe und frechen Texten wird sie mit 17 Jahren als „Mädchen mit der Knautschkommode“ fester Bestandteil des Berliner Kabaretts „Katakombe“ von Werner Finck. Sie feiert Erfolge, spielt in zahlreichen UFA-Filmen mit, macht nebenbei ihr Abitur nach - und konvertiert, stets tief gläubig, zum Katholizismus.
Das Kabarett wird 1935 von Goebbels geschlossen. Obgleich es sich bereits gänzlich unpolitisch gerierte, entdeckten die Herren von der Gestapo hier und da (berechtigterweise) dennoch kleine Anspielungen auf das Regime und seine hohen Vertreter. Und obgleich auch Vermehren dem Nationalsozialismus höchst fremd gegenübersteht, wird sie mit Kriegsausbruch zur Truppenbetreuung eingesetzt. Hinter der Front unterhält sie – weiterhin nicht ganz unbekannt – die Soldaten mit ihren Liedern und Shows.
1944 erst wird sie vollends von der NS-Maschinerie erfasst: Ihr Bruder wechselt die Fronten, läuft aus dem diplomatischen Dienst zu den Briten über. Sie selbst wird in Sippenhaft gesteckt – getrennt von ihrer restlichen Familie. Nun beginnt eine Zeit der Aufenthalte in Konzentrationslagern: Ravensbrück, Buchenwald, Dachau sind die Stationen. Meist als privilegierter Häftling, doch zumindest in Ravensbrück muss sie aufgrund eines Versehens auch eine Zeitlang die unmenschlichen Bedingungen im Lager ertragen.
Sie verbringt ihre Zeit vor allem mit scharfer, oft von hintergründig formuliertem Humor gekennzeichneter Beobachtung, die sie in dem höchst lesenswerten Buch Reise durch den letzten Akt bereits 1945 niederschreibt: So ihre Begegnungen mit dem großen Persönlichkeiten des Widerstands, wie Helmut James von Moltke, Julius Leber oder Martin Niemöller. Die Gegenüberstellung ihrer eigenen, höchst humanistischen Prinzipien mit dem totalitären Nihilismus der Nazis, der aus ihrer christlichen Sicht Täter und Opfer gleichermaßen in immer tiefere Abgründe des Verbrechens, der Unmenschlichkeit, der tierhaften Triebsüchte nach Gewalt, Machtausübung und Überlebenskampf treibt.
Ihre Erfahrungen sind keine der Vernichtungslager. Kein Erleben einer Ghetto-Jüdin oder eines sowjetischen Kriegsgefangenen. Und gerade weil ihre eigenen Erlebnisse diesen nicht gleichen können, sind die von ihr angestellten Beobachtungen so fundamental gültig. Denn bereits in ihnen, in den Beobachtungen einer privilegierten Gefangenen eines unmenschlichen Systems, wird die Basis der Shoah deutlich: Das Abschaffen jedes Individualismus, die Missachtung von Respekt und Menschenwürde, von den Unterordnungsprinzipien der Schöpfung und des Sozialethos.
Nichts soll da verharmlost werden. Gerade durch die Willkür des Systems musste auch Isa Vermehren jederzeit mit Erschießung oder Beseitigung rechnen, das wissen wir nicht nur heute, das ahnte auch sie damals. Um so beeindruckender ist es da, dass jede ihrer Schilderungen ganz von dem Versuch vereinnahmt sind, die Hintergründe der Motive ihrer Peiniger zu verstehen. Ganz gleich Hannah Arendt zeichnet sie dabei die Abbilder einer Banalität des Bösen.
Die letzten Kapitel des o.g. Buches sind von der langsamen Emanzipation der Gefangenen von ihren SS-Aufsehern bestimmt. Im Rahmen der Suche nach neuen Lagermöglichkeiten in den letzten Kriegstagen erklärt sich die illustre Runde aus ehemaligen europäischen Regierungen, westlichen Kriegsgefangenen, Sippenhäftlingen und Mitgliedern des Widerstandes nach und nach zu Gewinnern des Kriegsendes, die SS verliert an Autorität: eine skurrile Situation. Später dann, nach der Befreiung der letzten Station in Südtirol durch die Amerikaner, wird Vermehren Zeugin einer Diskussion innerhalb der US Army über den zukünftigen Umgang mit Europa, die an dieser Stelle beispielhaft die Aktualität ihrer Schriften stehen soll:
Soll Amerika Italien helfen oder nicht? Der eine Colonel sagte: „Was geht uns dieses Italien an, warum sollen wir gekürzte Rationen haben, nur weil diese Leute sich nicht selbst regieren können?“ Und als Beweis für die mangelnde Selbsthilfe, die er überhaupt unter den europäischen Ländern angetroffen habe, führte er folgendes an: „In den vergangenen Wintern haben die Pariser furchtbar gefroren und sich beklagt über das fehlende Heizmaterial. Warum, zum Teufel, fällten sie nicht die Bäume, die reihenweise vor ihrer Nase standen? Bloß, weil irgend so ein Louis darunter spazieren gegangen ist.“ (…) Hinter dieser Sentimentalität verschanze sich seiner Meinung nach nur die träge Unbereitschaft, sich selbst zu helfen, damit von anderer Seite geholfen würde. (…)
Demgegenüber stand ein einfacher Sergeant, der ganz entflammt von begeistertem Ernst für die genau entgegen gesetzte Weise plädierte. Er sagte: „Wir müssen Italien helfen, und nicht nur Italien, wir müssen Europa helfen. Wir sind das reichste Land der Welt, sind mit unendlichen Schätzen und Gütern gesegnet, wir sind auch verpflichtet, denen davon zu geben, die weniger haben als wir. Es entspricht auch unserem Wesen, es zu tun. We shall have a hell of a lot of fun helping them.“ (…)
Die beiden erbitterten Gegner dieses Nachmittags, der Colonel und der Sergeant, fanden sich dann wieder im selbstzufriedenen Lob ihrer wohlgelungenen Demokratie, die es gestattete, dass selbst ein Colonel und ein Sergeant zweierlei Meinung sein konnten.
aus: Isa Vermehren, Reise durch den letzten Akt
Nach dem Krieg entschied sich die fröhliche, lebensbejahende, ehemalige Kabarettistin Isa Vermehren dann zu einem Leben als Nonne. Sie studierte auf Lehramt, unterrichtete viele Jahrzehnte und kam noch einmal zu einem gewissen Ruhm, als sie 1983-1995 das „Wort zum Sonntag“ in der ARD sprach.
Wenn es ein Argument gegen ein laizistisches Deutschland geben kann, dann besteht es wohl in dem Beispiel der Isa Vermehren und ihrem theologischen Humanismus, sie ist eine der Persönlichkeiten, auf welche die deutsche Geschichte ganz und wahrhaftig stolz sein kann. Zu ihrem 90. Geburtstag möge man ihr viel weitere Lebenskraft und ihrem Buch noch Generationen von Lesern wünschen.
Tags: Amerikaner, Buchenwald, Dachau, Humanismus, Isa Vermehren, Katholizismus, Laizismus, Mädchen mit der Knautschkommode, Nationalsozialismus, Nihilismus, Ravensbrück, Reise durch den letzten Akt, Sippenhaft, SS, starke Frau, Theologie, Wort zum Sonntag
Wenn der Staat Israel in Deutschland unbeliebter ist als in den Vereinigten Arabischen Emiraten, kann mir dann bitte nochmal jemand erklären, welche tollen Werte wir jetzt eigentlich genau bewahren wollen vor der Islamischen Welt?
Tags: Antisemitismus, Antizionismus, Deutschland, Islam, Israel